17.05.2018

Zeitungsartikel (Echo) zur Eröffnung der „Darmstädter Hilfe”

Von Marina Bahlke (Echo)

BERATUNG Die „Darmstädter Hilfe” begleitet künftig Opfer und ihre Angehörigen nach Straftaten

DARMSTADT - Opfer eines Verbrechens zu werden bedeutet für viele Menschen einen tiefen Einschnitt im Leben. Ohne Hilfe sind die Folgen oft kaum zu bewältigen. Für sie gibt es nun eine neue Anlaufstelle: die „Darmstädter Hilfe”.

Die Beratungsstelle in der Büdinger Straße ist am Mittwoch eröffnet worden. In den hellen, einladenden Räumen helfen künftig zwei Sozialpädagoginnen und eine Verwaltungsfachkraft Menschen dabei, mit dem Leben nach einer Tat zurechtzukommen. Auch Angehörige und Zeugen können sich an die Opferhilfe wenden.

Es müssen keine Anträge gestellt werden

„Wir wollen Opfern von Verbrechen nicht nur akute Hilfe bieten, sondern auch eine Stütze in ihrem Alltag sein”, so die Beraterinnen Julia Pohl und Karin Bernet. Sie können erste psychologische Hilfe beim erlittenen Trauma leisten, beraten Betroffene bei der Frage, ob Anzeige erstattet werden soll, und begleiten sie zu Vernehmungen, zum Anwalt und zum Prozess. Sie bieten aber auch langfristige Hilfe an, teilweise noch Jahre nach der Tat, wenn Bedarf besteht.

Die Hilfe ist niedrigschwellig, es müssen keine Anträge gestellt werden, jeder kann kommen und sich kostenfrei beraten lassen. Auf Wunsch geht das auch anonym, die Beraterinnen sind durch die Schweigepflicht gebunden. Ausnahme sind Verbrechen, die Kinder betreffen. „Die ,Darmstädter Hilfe’ füllt einen grauen Fleck der Opferhilfe in Hessen”, so Christoph Gebhardt, Vorstand der Darmstädter Opferhilfe, einst Vorsitzender Richter des Oberlandesgerichts in Frankfurt.

In allen Teilen Hessens gab es bislang Einrichtungen der Opferhilfe – außer in Südhessen. Grau sei der Fleck deshalb, weil der Verein Weißer Ring eine ähnliche Funktion übernommen habe. Die Art der Hilfe sei jedoch anders. Der Weiße Ring habe eher eine Lotsenfunktion, vermittle und begleite die Opfer und könne kurzfristig finanzielle Hilfe bieten. „Das Optimum wäre eine gute Kooperation zwischen der Opferhilfe und dem Weißen Ring, in der wir uns ergänzen können. In anderen Landesteilen klappt das schon gut”, sagte Gebhardt.

„Das ist wirklich eine tolle Sache”, erklärte die hessische Justizministerin Eva Kühne-Hörmann (CDU). „Mehr über die Opfer als die Täter zu reden ist ein Ziel des Rechtsstaats. Solche Projekte helfen dabei, den Blick weg von den Tätern hin auf Opfer und Opferhilfe zu lenken, auch in der Berichterstattung.”

Kerstin Reckewell, leitende Oberstaatsanwältin in Darmstadt, ergänzt: „Opfer brauchen nicht nur Rechte, sondern auch Unterstützung. Staatsanwaltschaft und Gerichte können das nicht bieten. Es ist unheimlich entlastend, wenn jemand da ist, der sich um die Opfer kümmern darf und kann. Das hilft uns, unsere Arbeit noch besser zu machen.”

Das hessische Justizministerium unterstützt die „Darmstädter Hilfe” auch ganz konkret, sie finanziert die Einrichtung zu rund 60 Prozent.

Auch Darmstadts Bürgermeister Rafael Reißer (CDU) äußerte sich zufrieden: „Obwohl wir das Glück haben, relativ gut in der aktuellen Kriminalitätsstatistik dazustehen, begrüßen wir die Opferhilfe als eine wichtige Einrichtung für unsere Stadt.”

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