18.05.2018

Zeitungsartikel (Rundschau) zur Eröffnung der „Darmstädter Hilfe”

Von Jens Joachim (Frankfurter Rundschau

Beratung für Opfer und Zeugen

Der neu gegründete Verein „Darmstädter Hilfe“ eröffnet eine Anlaufstelle für Menschen, die von einer Straftat oder Gewalt betroffen sind.

Die beiden neu möblierten Zimmer im Erdgeschoss des Gebäudes an der Büdinger Straße wirken behaglich, hell und freundlich. Auf den blauen Sesseln liegen curryfarbene Kissen. Auf dem Boden stehen hölzerne Dekorationsschalen und an den Wänden hängen moderne Gemälde. Fast könnten Besucher den Eindruck gewinnen, sich in gewöhnlichen Wohnzimmern zu befinden. Doch die Fachbücher im Regal geben Auskunft darüber, dass in den Räumen Gespräche zu ernsten und belastenden Themen geführt werden. Im Regal liegt auch die vom Bundesministerium für Justiz und Verbraucherschutz herausgegebene „Opferfibel“ aus. In der Broschüre geht es um die Rechte von Verletzten und Geschädigten in Strafverfahren. Eine weitere Broschüre trägt den Titel „Beratungshilfe und Prozesskostenhilfe“.

Der erst vor einigen Monaten gegründete Verein „Darmstädter Hilfe“ hat in dem Gebäude des städtischen Bauvereins unweit der „Waldspirale“ (Hundertwasser-Haus) seine neue Beratungsstelle für Opfer und Zeugen eröffnet. Die beiden Sozialpädagoginnen Karin Bernet und Julia Pohl werden dort künftig Menschen, die Opfer einer Straftat oder eines Unfalls geworden sind, informieren und beraten.

Die 59-jährige Bernet hat in den vergangenen Jahren für Einrichtungen gearbeitet, die sich um Frauen, Kinder und Jugendliche kümmern, denen Gewalt angetan wurde. Die 31-jährige Pohl war bislang beim Jugendamt des Kreises Darmstadt-Dieburg tätig. Beide Sozialpädagoginnen haben auch Fortbildungen zum Thema Bewältigung von Traumata absolviert. Unterstützt werden sie von Andrea Lenz-Wiegand, die sich um die Verwaltung der Beratungsstelle kümmert.

Die verschiedenen Hilfeeinrichtungen für Kriminalitätsopfer beraten jedes Jahr rund 2000 Menschen in Hessen. „Mehr als 80 Prozent kommen aus dem Bereich der Gewaltdelikte“, sagte Justizministerin Eva Kühne-Hörmann (CDU) jetzt bei der Eröffnung der Darmstädter Beratungsstelle, an die sich Menschen aus ganz Südhessen wenden können.

Die Opfer sind nach den Worten der Ministerin „oft nicht nur körperlich verletzt, sondern auch traumatisiert“. Die Opferhilfevereine mit ihren geschulten Mitarbeitern seien daher Anlaufstellen, in denen die betroffenen Menschen professionell beraten und unterstützt werden. Die geschulten Mitarbeiterinnen bereiten Opfer und Zeugen von Straftaten oder Unfällen auch auf die für sie oft belastenden Gerichtsverhandlungen vor, begleiten sie zum Gericht und kümmern sich auch um Angehörige von Betroffenen.

Auch im Darmstädter Landgericht ist nach Angaben von Landgerichtspräsident Ralf Köbler vor einiger Zeit ein spezielles Zimmer für Zeugen eingerichtet worden.

Den Vorstand des Darmstädter Vereins bilden Christoph Gebhardt, der früher Richter am Frankfurter Oberlandesgericht war, sowie der südhessische Polizeipräsident Bernhard Lammel und der Darmstädter Amtsgerichtspräsident Markus Herrlein.

Die erste Beratungsstelle dieser Art wurde 1984 in Hanau eröffnet. Weitere Anlaufstellen gibt es in Frankfurt, Wiesbaden, Gießen, Limburg, Kassel und Fulda. Etwa die Hälfte der Kosten übernimmt das Land. Der Rest stammt aus Zuweisungen der Gerichte, Staatsanwaltschaften und Spenden.

Die Sprechzeiten der Beratungsstelle, Büdinger Straße 10, sind montags bis freitags von 9 bis 12 Uhr und donnerstags von 14 bis 17 Uhr sowie nach Vereinbarung. Infos unter Telefon: 06151/97 14 202 und im Internet unter www.darmstaedter-hilfe.de.

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